Presseschau

Donnerstag, 29. November 2007 |  Autor: Karsten

Habe gerade ein saugutes Essay über die Fehler des US-Militärs im Irakkrieg gelesen. Ja, ich habe euer Gähnen laut und deutlich vernommen, zuviel wurde in letzter Zeit darüber verzapft, immer die gleiche Leier, die Amis sind doof, die Araber brutal usw, usf. Habe ich auch alles gelesen, genauso gegähnt aber dieser Artikel in Wired (von denen habe ich schon des öfteren Zitiert, gehört vielleicht in die Blogroll) ist anders. Da das ganze ziemlich lang und, wie immer auf Wired, auf Englisch ist, gebe ich mich keinen Illusionen hin – liest eh keine Sau. Deswegen versuche ich’s mal mit ner Zusammenfassung:

Anfang der 90er, so um die Zeit des ersten Golfkrieges kamen ein paar schlaue  Pentagonfritzen zusammen um die US-Steitkräfte Informationstechnisch auf den neuesten Stand zu bringen. Internet in jedes Humvee und jeden Panzer. Headup Displays für jeden Soldaten das eine Karte des Einsatzgebietes mit kleinen, bunten Karos für jede Einheit, jeden identifizierten Feind in Echtzeit zeigte – alles so ein Zeug. Gepaart mit den tollen Präzisionslaserwaffen, Smart Bombs usw war das ganze, ganz im Sinne der Erfinder ein voller Erfolg. Afghanistan und Irak wurden in Rekordzeit überrannt, in manchen Abschnitten kamen auf einen GI 100 und mehr Gegner und trotzdem hatten die keine Chance. Angeforderte Luftunterstützung konnte dank totaler Vernetzung aller Einheiten innerhalb von Minuten tödlich zuschlagen – den Rest lest bitte bei Janes oder so nach, wenns euch interressiert, mir gehts nicht um die blutigen Details. Was der Artikel aber anspricht ist, das, auch das ist inzwischen eine Binsenweisheit, die Köpfe und Herzen der betroffenen Menschen nicht mit Raketen zu gewinnen sind. Im gegensatz zu, sagen wir, Deutschland in der Nachkriegszeit wurden die Amis nicht mit offenen Armen empfangen. Der ganze Hi-Tech Krieg war von Anfang an darauf ausgelegt mit so wenig Personal wie möglich geführt zu werden. Was fehlte war der Kontakt mit den Menschen, mal abgesehen vom Türen eintreten und wild um sich schiessen. Scheinbar gibt es aber ein paar blickige Amerikaner vor Ort im mittleren Osten, die die Problematik verstanden haben und daran was ändern. In einem Fall ging es um einen lokalen Scheich ohne den keiner in der Provinz auch nur den Hauch einer Entscheidung getroffen hätte. Dummerweis saß der Scheich im Knast, wegen Unterschlagung – einem eher geringem Vergehen in einem Land in dem Mord auf offener Straße an der Tagesordnung ist. Man musste den Kerl freilassen und mit ihm reden um Dinge ins Rollen zu bringen. So ein paar Leute im US Militär scheinen verstanden zu haben daß man erstmal die Leute und ihre Sitten verstehen muss, bevor man mit dem “Nation Building” anfangen kann. Ich hoffe wirklich daß sich dieses Denken durchsetzt. Die beste Kanone ist die, die nicht abgefeuert wird.

Das war nun wirklich eine Ultrakurzfassung, also wenn irgendwie möglich, selber nachlesen.

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Thema: Allgemein

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