Das StudiVZ und ich
Sonntag, 26. November 2006 | Autor: Michel
@Axel: Vielen Dank für deinen Hinweis !
Ich nehme ihn zum Anlass, hier mal meine Meinung zum
Internet im allgemeinen und StudiVZ im speziellen zu äußern.
Zunächst mal ein dickes Danke und ein fettes respect an all
die Blogger, die durch ihre unermüdliche Recherche dazu beitragen,
internetale Problemzonen aufzudecken und zu bekämpfen !!!
Kurzfassung:
1. Ich bleibe im StudiVZ.
2. Ich verbringe meine Zeit dort momentan hauptsächlich damit,
links zu Don Alphonso etc. zu verschicken.
Long version:
Manchmal habe ich das Gefühl, das Internet ist vom realen Leben abgekoppelt, sozusagen Leben2.0
Aber natürlich ist das echte Leben das einzig wahre, und deswegen betrachte ich das Internet nur als mächtiges Werkzeug, dieses zu managen. Internet bedeutet für mich die Potenzierung von Möglichkeiten, und leider auch von Risiken.
Und ich denke, es wird noch 1 oder 2 Generationen brauchen, bis sich das www aus seinen Kinderschuhen erhebt. Der nächste Schritt wird wahrscheinlich das Platzen der Blase2.0 sein.
@Axel: Die Frage, ob deutsche Studenteninnen hauptsächlich an Saufen (etc.), Beischlaf und Party interessiert sind, erfordert wohl eine eigenständige Diskussion. Ich jedenfalls bin an allen diesen Dingen sehr interessiert, versuche aber dabei, die Prioritäten richtig zu setzen. Was bei mir insgesamt zu einem eher gemäßigtem Konsum dieser 3 essentials führt. Und immerhin geben sich viele meiner StudiVZ-Kontakte die Mühe, in ihrem Profil die jeweils gebuchten Vorlesungen einzutragen. Im Gegenzug muss ich allerdings auch ein Zitat anführen, das ich in einer meiner ersten Vorlesungen gehört habe. Es stammt von einem hochangesehenen Prof., und der meinte ganz nüchtern, eher nebenbei in einem Halbsatz: “…na ja, wir leben halt in einer Untergangsgesellschaft.”
Warum ich im StudiVZ bin:
Nach längerer Schüchternheit erwuchs in mir der Wunsch, einer Internet-community beizutreten. Meine eigene Homepage ist nur als Visitenkarte gedacht und als Zuhause2.0, und ich wollte die oben erwähnten Potenzierungsmöglichkeiten nutzen. Ich habe ein wenig recherchiert, und was mir beim StudiVZ gefiel, war das unaufgeregte Design. Blöd fand ich die Reduzierung auf Studenteninnen, aber ich bin z.Zt. selber einer, und für den Anfang ist es OK. Ich habe mir von Anfang an keine Illusionen bezüglich irgendwelcher altruistischen Motive der Macher gemacht. So ein Riesenprojekt ist nicht ehrenamtlich zu bewältigen. Das wurde ja auch spätestens deutlich, als das StudiVZ-team eine besondere Affinität zu der Band “Juli” entwickelte. Ich habe jedenfalls offiziell den Vorschlag gemacht, das StudiVZ über Spenden zu finanzieren. Wenn 1 mio. Leute im Durchschnitt 1 Euro monatlich geben, müsste das m.E. eigentlich reichen. Ich muss allerdings gestehen, das mich das Ausmaß der mittlerweile aufgedeckten Unstimmigkeiten doch überrascht hat.
@Datenschutz:
www ist nun mal www.
Daher habe ich mir grundsätzlich zur Maxime gemacht:
Wenn ich irgendwo etwas eingeben will, gehe ich vom worst case aus (z.B. alles erscheint auf der Google-Startseite) und überlege dann nochmal, was ich wirklich eingebe. Wenn die Marktforschung spitzkriegt, dass ich der (nachhaltigen) Rettung der Welt durchaus positiv gegenüberstehe, kann das ja nur gut für meine eigenen Ziele und Bedürfnisse sein. Ausserdem werde ich, seitdem ich in Berlin wohne, sowieso 3mal pro Woche angerufen, ob ich den Telefonanbieter wechseln will, wie oft ich fliege oder ob ich schon über meine Rente nachgedacht habe. Das kann durch StudiVz gar nicht mehr schlimmer werden.
Wenn sich im StudiVZ 700 Leute + ein paar Macher zu einer Idiotengruppe zusammenschließen, ist das zwar mehr als bedauerlich, letztendlich aber auch nur ein Abbild der Realität.
Ich habe jedenfalls über das StudiVZ inzwischen einige real-life-kontakte hergestellt, einen Job und eine Wohnung vermittelt und viele Leute wiedergefunden, die ich für immer verloren geglaubt habe.
Und wenn mir bei meiner Community-Recherche so etwas wie ein “WikiVZ” entgangen sein sollte, mit ähnlich unaufgeregtem Design und ansprechender Funktionalität, bitte ich um Hinweise.
Jetzt hör ich mir den Clockwork Orange Soundtrack (oder ein wenig vom guten alten Ludwig van oder die Techno-Version von Stairway to heaven) an und esse dabei aufgewärmte Nudeln mit Ketchup, dann geh ich pennen.
mfg
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